Im Zug selbst, sieht die Praxis doch etwas anders aus. Ich möchte hier gern ein paar Szenarien aus dem Nahverkehr beschreiben:
- Neue Wagen der UBB stehen bestimmt mind. 30 min am Bahnsteig morgens und warten auf die Fahrgäste. Während dieser Zeit habe ich nie bemerkt, daß die Lüftung angestellt gewesen wäre. Das bedeutet, man atmet im Großraumabteil die Restluft der Toilette sowie diverse Ausdünstungen der Fahrgäste und ggf. kalten Rauch ein, da es nicht ein Fenster gibt, das geöffnet werden könnte, um frische Luft und Sauerstoff ins Abteil zu lassen. Es gibt kein Entkommen! Und da sich die Tür automatisch schließt, kann man noch nicht einmal diese zu Lüftungszwecken geöffnet lassen, es sei denn, man stellt sich neben den Türöffnungsschalter und drückt ständig. - Erst mit Abfahrt der UBB wird auch die Klimaanlage eingestellt und erst nach weiteren 20 min. hat man einen Eindruck von Luftzirkulation, was nicht besagt, daß die Luftqualität nun neutral wäre...
- Winterzeit, alter Doppelstockwagen der Bahn. Ich sitze im Mehrzweckabteil neben meinem Rad. Es kommt eine verstörte Frau, die verzweifelt eine Toilette sucht. Offensichtlich geht es ihr nicht gut. Die mangelhafte Ausschilderung läßt nur Vermutungen zu, in welcher Richtung sie ihr Glück probieren könnte. Doch soweit kommt es nicht mehr. Durch höhere Gewalt übergibt sie sich ca. 1 m neben mir. Wir ringen beide nach Luft. Frischer Luft! - Doch selbst die zwei ggf. zu öffnenden Fenster sind verriegelt, weil es draußen wohl zu kalt ist und man keinesfalls die innenliegende Klimaanlage durch willkürliches Öffnen stören möchte. Ich kann nicht ohne weiteres mein Abteil wechseln, da ich noch das Fahrrad dabei habe. Die erkrankte Dame versucht notdürftig den Boden zu reinigen, was ziemlich schwer fällt, da kein Reinigungsmaterial vorhanden ist. Bis zur nächsten Haltestation sind es noch wenigstens 10 min und wir versuchen beide, dem erneuten Drang des Übergebens standzuhalten. (In Flugzeugen werden wenigstens "Spuktüten" ausgelegt. Warum nicht auch in der Bahn?)
- Doppelstockwagen Freitag nachmittags im Sommer: Durch den Urlaubs- und Heimreiseverkehr sind die Züge regelmäßig mehr als überfüllt. (Ich konnte bisher nicht feststellen, daß dadurch mehr Wagons angehängt worden wären.) Mit Einzug der Klimaanlagen gibt es kaum noch zu öffnende Fenster im Wagen und die Klimaanlage ist restlos überfordert, weil sie vermutlich nicht richtig eingestellt ist und/oder die Filter dringend gewechselt werden müßten. Vielleicht ist sie auch einfach nicht für diese Menschenmassen ausgelegt? - Überall warme verbrauchte Luft. Man hat den Eindruck, man ist kurz vor dem Ersticken.
- Sommer - Einstieg in den Doppelstockwagen morgens kurz nach 6 Uhr. Heiße Luft kommt mir entgegen. Die Klimaanlage ist vermutlich auf Winter geschaltet und produziert treu warme Luft. Das weiß nur momentan keiner zu schätzen, da wir Sommer haben und eher kühle Luft benötigen würden. Selbst die Mitfahrer, die sonst im Doppelstockwagen oben sitzen, halten es dort nicht mehr aus und suchen sich notgedrungen unten in der Nähe eines der wenigen zu öffnenden Fenster einen Platz. Wir japsen alle nach frischer Luft. Und auch zur Fensteröffnung benötigt man Bärenkräfte, damit nach einigem Rütteln sich das Fenster nach unten verschieben läßt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen